15.10.2010 | Putschversuch in Lateinamerika

Betr.: Saludos del Ecuador

Die Situation ist kritisch. De Facto wurde von Seiten der Polizei Ecuadors versucht am 30.09.2010 den amtierenden, demokratisch gewählten und sozialistischen Präsidenten Rafael Correa zu stürzen.

Foto: © Frank Hüfner / PIXELIO

Von Charlotte Fellenberger und Luis Guerrero, Quito

Wir konnten die Geschehnisse hier aus erster Hand verfolgen. Bestimmte Bereiche der Polizei sind infiltriert. Eine Gesetztesänderung , welche vom Parlament verabschiedet wurde, wurde als Anlass genommen, besagten Putschversuch einzuleiten. Die Polizei besetzte das Parlament, sperrte die Strassen, setzte ihre Waffen gegen die eigene Bevölkerung ein, die sich in friedlicher Weise auf den Strassen versammelte um ihrer Solidarität zur Regierung und der Verteidigung der Demokratie Ausdruck zu verleihen. Präsident Rafael Correa gemeinsam mit seinem Kabinett suchten den Dialog mit Vertretern der Polizei, wobei er angegriffen, verletzt und gefangen genommen wurde. Der Präsident konnte dann am Abend mittels einer Spezialeinheit des Militärs aus dem Polizeikrankenhaus, befreit werden. Der Plan ihn im Kugelhagel zu ermorden schlug ebenfalls fehl.

8 Tote, darunter Zivilisten und ein Leibwächter des Präsidenten, sowie 45 Verletzte sind die Bilanz. Die Polizei Ecuadors hat noch von keiner vorherigen Regierung eine derart große Unterstützung nicht nur in monetärer Hinsicht erfahren. In nur drei Jahren wurden die Staatsgehälter u.a der Polizisten um das dreifache angehoben. Die Gesetzesänderung wurde mit Hilfe einer Desinformationskampagne lediglich als Vorwand genommen. In dem Gesetz geht es in Wirklichkeit um eine technische Reformierung der Staatsgehälter. Letztenendes ein Gewinn für die Polizei. Es wurden lediglich ungerechtfertigte Weinachtsgeschenke die nicht in Geld sondern in persönlichen Gegenständen ausgegeben wurden, gestrichen und der Wert den Gehältern zu gerechnet. Dies wäre vergleichbar, wenn in Deutschland die Postangestellten an Weinachten alle eine Waschmitteltüte von Persil bekommen würden, und das auch noch vom Staat finanziert. Eine einseitige korupte Unterstützung bestimmmter Sektoren der Wirtschaft.

Die protestierenden Polizisten kannten weder das Gesetz, noch haben sie sich mit ihrer arbeitsrechtlichen Situation befasst. Bei den Geschehnissen des 30 September 2010 hier in Quito handelt es sich keinesfalls um einen Streik oder eine Demonstration der Gewerkschaften, sowie es u.a. in Europa durch die abhängigen Medien verbreitet wird. Zweifels ohne sollte ein zweites Honduras etabliert werden. Der Rechtsstaat sowie die Demokratie in Ecuador befinden sind in Gefahr. Es handelt sich um einen von ausländischen Interessen getragenen, und gemeinsam mit der „Oposition“ geplanten Putschversuch. Ziel ist es, um jeden Preis das Land zu destabilisieren, die soziale Revolution zu verhindern, um ein undemokratisches, totalitäres, neoliberales Regim zu instalieren, welches ausschließlich dem Kapital dient, menschenrechtliche sowie humanitäre Belange ausser Acht lässt.

Rafael Correa und die aktuelle Regierung steht wie kein anderer Präsident mit Tat und Wort für:

  • Armutsbekämpfung
  • Koruptionsbekämpfung
  • Chancengleichheit
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Verbesserung des Gesundheitssystems
  • Verbesserung des Ausbildungswesens

Rafael Correa ist ein Präsident des Dialoges, eben diese Tatsache wurde ihm am 30 September 2010 zum Verhängniss. Er genießt wie kaum ein anderer Präsident vor ihm die Anerkennung in der Bevölkerung. Er ist ein Präsident des Volkes, der Mehrheiten, und bedient nicht die Interessen einer kleinen oligarchischen Oberschicht. Aus diesen Gründen sollte er sterben. Einen Menschen kann man töten, aber eine Idee nicht.
Abschließend möchte ich noch bemerken, wir sind Spiegelabonenten. Der Spiegel hat in jüngerer Geschichte u.a. über Venezuela und Bolivien berichtet, jedoch in einer einseitigen, plakativen und undiferenzierten Art und Weise. Die Präsidenten Chavez und Morales wurden als „Gaudilleros“ bezeichnet.Wir haben darüberhinaus eine eindeutige Tendenz zu rechtslastigen Kommentaren wahrgenommen.

Sofern der Spiegel jetzt zu den Geschehnissen am 30 September in Quito Stellung nimmt, erwarten und hoffen wir, dass dies in einer objektiven an der Wahrheit orientierten Art und Weise getan wird und hier keine Interessen bedient werden. Ich Charlotte Fellenberger, bin Deutsche lebe und kenne Ecuador seit 1992, beobachte, analisiere und verfasse u.a. Berichte, gehöre keiner Partei an, und erlebe den politischen Wandel aus nächster Nähe. Wir können uns glücklich schätzten, dass es den „Contras“ nicht gelungen ist, den Präsidenten zu töten. Zweifels ohne hätte dieses einen Bürgerkrieg zur Folge gehabt.

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