21.06.2010 | Umweltrisiken

Öl-Unfall in der Nordsee jederzeit möglich

Letzten Zahlen der OSPAR (Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordost-Atlantiks) zufolge, kam es im Jahr 2007 zu 515 Öl-Unfällen auf Plattformen im Nordost-Atlantik. 3.907 Tonnen Öl traten dabei aus.

Von Greenpeace, Hamburg

Die Öl- und Gas-Plattformen in der Nordsee sind unfallgefährdet und für eine schleichende Verschmutzung der Nordsee verantwortlich. Dies ist das Ergebnis eines aktuellen Greenpeace-Beobachtungsfluges. An fünf Nordsee-Plattformen haben Greenpeace-Experten große schwimmende Ölteppiche dokumentiert. Greenpeace kontrollierte 25 der rund 400 Förderanlagen in der Nordsee. Besonders risikoreich ist die Ölfoerderung des BP Konzerns mit Foerderschiffen westlich der Shetland-Inseln in über 400 Metern Wassertiefe. Wie die aktuelle Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt, sind die Risiken der Offshore-Ölförderung nicht kalkulierbar. Greenpeace fordert daher, dass keine neuen Genehmigungen zur Förderung von Öl und Gas in der Tiefsee erteilt werden.

„Eine Öl-Katastrophe wie im Golf von Mexiko kann sich auch in der Nordsee jederzeit ereignen“, sagt Meeresbiologe Christian Bussau von Greenpeace.
„Regelmäßig kommt es bereits zu Unfällen auf Ölplattformen. Schlimmer als die Unfälle sind jedoch die chronischen Ölverschmutzungen. Rund um die Uhr wird schon im Normalbetrieb Öl in die Nordsee eingeleitet.“

Letzten Zahlen der OSPAR (Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des
Nordost-Atlantiks) zufolge, kam es im Jahr 2007 zu 515 Öl-Unfällen auf Plattformen im Nordost-Atlantik. 3.907 Tonnen Öl traten dabei aus.
Zusätzlich wurden 9.596 Tonnen Öl durch den alltäglichen Förderbetrieb eingeleitet. Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser.
Das Wasser wird vom Öl getrennt und als so genanntes Produktionswasser ins Meer geleitet. Es enthält Restmengen an Öl. Schadstoffe aus dem Öl können in die Nahrungskette gelangen und sich beispielsweise in Würmern, Muscheln, Schlangensternen, Fischen, Seevögeln und Meeressaeugern anreichern.

Seit die Öl- und Gasreserven in der relativ flachen Nordsee nahezu erschoepft sind, dringen Oelkonzerne in immer groeßere Tiefen und arktische Regionen vor. Mit steigender Wassertiefe erhoeht sich das Risiko von Unfaellen. So pumpt BP mit riesigen Foerderschiffen, so genannten FPSOs (Floating Production, Storage and Offloading), Oel aus ueber 400 Metern Wassertiefe. Die Schiffe sind durch flexible Steigleitungen mit dem Bohrloch verbunden. Am Meeresboden wird eine vergleichbare Technik mit Bohrlochkoepfen (wellheads) und Sicherheitsventilen wie an der explodierten BP-Plattform im Golf von Mexiko verwendet.

„Falls es hier zu einem Unfall kommt, kann kein Mensch das Bohrloch erreichen“, sagt Bussau. „Taucher koennen nur bis rund 200 Meter Tiefe arbeiten. Hier muesste, wie bisher erfolglos im Golf von Mexiko, mit unbemannten Unterwasser-Robotern operiert werden.“

Die staerksten Oelverschmutzungen hat Greenpeace bei den Plattformen Ninian Southern, Ninian Central, Tiffany (Canadian Natural Resources Limited), Dunlin (Fairfield Energy) und im Brent Feld (Shell) festgestellt.

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