20.05.2008 | Pro Köln

Feindbild im Veedel

Hans Hübner traf Regina Wilden, eine der fünf Abgeordneten von Pro Köln im Stadtrat von Köln. Pro Köln hat sich bekannt gemacht mit dem Versuch, die Öffentlichkeit gegen Moscheebauten zu mobilisieren. Die Partei pflegt freundschaftliche Beziehungen zu Vereinigungen, die als rechtsextrem gelten, wie „Vlaams Belang“ oder Jörg Haiders FDP. Regina Wilden bestreitet, rechtsextrem zu sein. Sie sieht sich als Kämpferin für ein rechtes, konservatives und liberales Deutschland.

Von Hans Hübner, Köln

Regina Wilden tritt auf als nette, wohlerzogene und bescheidene Frau. Sie macht sich Sorgen um Deutschland und um ihre Stadt Köln. Da marschieren überall die Linken und zertrampeln die guten alten deutschen Werte. Sie haben sich verschworen, den Ausländern Tür und Tor zu öffnen und das christliche Abendland zu zersetzen und zu unterwandern – entweder weil sie bösartig sind oder naiv.

Nein, so würde es Regina Wilden nicht ausdrücken. Gleich am Anfang jedenfalls nicht. Sie ist nämlich nicht radikal, und ausländerfeindlich schon gar nicht. Sie hat mal einen netten Moslem gekannt und den beinahe geheiratet. „Als ich jung war, war ich auch einmal ein bisschen progressiv. Manches ist an mir vorbeigegangen. Im Moment passiert nämlich sehr viel, was die breite Masse gar nicht wahrnimmt.“

Sie hat die guten alten deutschen Werte mit der Muttermilch eingesogen, Disziplin, Respekt, Gehorsam und Vertrauenswürdigkeit, „dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat.“ Alle diese Werte scheinen ihr heute nicht mehr geschätzt zu werden. Dagegen propagiere man die Gleichmacherei, eines der Übel der heutigen Zeit, eine Erfindung der Kommunisten. Und die seien ja ganz dicht davor, die Macht zu ergreifen.

Als sie sich in ihrer bürgerlichen Existenz immer mehr bedroht sah, wurde sie auf Pro Köln aufmerksam. Sie kannte natürlich den schlechten Ruf dieser Organisation. Dass sie rechtsextrem sei und intolerant. Doch nachdem sie mehrere Veranstaltungen besucht hatte, gewann sie einen ganz anderen Eindruck. „Das waren Demokraten. Rechte liberale Demokraten, die sich um unsere Gesellschaft Sorgen machten. Die sagten: Man muss etwas tun, um die falsche Entwicklung aufzuhalten. Ich spürte, dass ich Vertrauen zu ihnen haben konnte.“ Heute sitzt sie für ihre Partei im Rat der Stadt Köln.

Dass der Vorsitzende Manfred Rouhs zeitweilig Mitglied der NPD war, sieht sie als Jugendsünde. „Er hat sich dazu bekannt und es erklärt.“ Überhaupt, meint sie, beschäftige man sich zu viel mit der Vergangenheit, zum Beispiel mit dem Nationalsozialismus. Das sei doch Vergangenheit, überholt. Man müsse doch endlich an die Zukunft denken. Die Vergangenheit sei genügend gut verarbeitet. Der Österreicher Jörg Haider ist für sie ein aufrechter Kämpfer für die Werte, für die auch sie eintritt. „Und der kommt wieder! Das werden sie sehen! Die Umfragen geben ihm gute Chancen bei den nächsten Wahlen.“

Mit Vergnügen erinnert sie sich an einen Besuch mit einer Gruppe von Pro Köln-Mitgliedern beim „Vlaams Belang“ in Antwerpen. Diese rechtsradikale ausländerfeindliche und separatistische flämische Partei hat sie sehr beeindruckt.. „Bei denen habe ich mich richtig wohlgefühlt. Das sind demokratische und liberale Leute. Und sie machen eine gute Arbeit. Sie werden sehen, dass die schon bald die Mehrheit haben. So weit sind wir leider noch nicht. Doch vielleicht war es gut, dass wir bei den letzten Kommunalwahlen noch nicht so viele Stimmen hatten.“ Der Erfolg von Roland Schill in Hamburg hatte ihr imponiert. Pro Köln habe ihm sogar vorgeschlagen, eine gemeinsame Partei zu bilden. Jetzt ist Regina Wilden froh, dass es nicht geklappt hat. „Bei den Bildern aus Brasilien, die man in letzter Zeit gesehen hat … Wir haben jetzt Zeit, uns besser zu organisieren. Wir sind gut aufgestellt. Bei den nächsten Wahlen werden wir dann sehr viel stärker sein!“

Wie gesagt: Gegen Moslems hat Regina Wilden eigentlich nichts. Und sie denkt auch nicht daran, alle jetzt wieder zurückzuschicken. „Aber der uneingeschränkten Einwanderung muss jetzt Einhalt geboten werden! Wir müssen einfach andere Gesetze machen, damit das aufhört! Es kann doch nicht sein, dass Tausende und Abertausende von Sozialhilfe-Empfängern hierher kommen, um auf unsere Kosten zu leben. Und dass die einfach unkontrolliert ihre Importbräute hierher bringen können.“

Und vor allem: So viele große Moscheen will sie nicht. „In den Moscheen wird doch nicht nur gebetet! Da wird eine ganz andere islamische Gesellschaft aufgebaut, als Gegenmodell zu unserer. Wir haben denen hier in Köln den Dialog angeboten und sie einmal getroffen. Dann haben sie sich nie wieder gemeldet.“

Regina Wilden fürchtet, dass sich mit der „eingeschleppten Religion“, mit dem Bau monumentaler Moscheen dass äußere Bild Deutschlands galoppierend verändert, dass ihr Vaterland „entdeutscht wird“.Sie nennt das einen „Kulturbruch“.

Dass wir heute in einer multikulturellen Gesellschaft leben, akzeptiert Regina Wilden, das will sie auch nicht rückgängig machen. „Das kann man nicht verhindern. Das ist eine ganz natürliche Folge der Globalisierung.“ Wo immer sie hinkomme, passe sie sich an. Und das verlangt sie auch von den Menschen, die hierher kommen. Sie sollen sich integrieren. Auf die Nachfrage, ob sie assimilieren meint, zögert sie ein wenig und bestätigt dann: „Nein, integrieren.“ Meistens weiß sie, welche Begriffe man meiden muss.

Warum das alles nicht funktioniert? Wohl, weil keiner auf die Rechten, auf die Konservativen hört. Bei der SPD versteht sich das ja von selbst. Aber auch die CDU sei inzwischen links unterwandert. Die ganze Presse sei gleichgeschaltet, vielleicht mit Ausnahme der Springer-Zeitungen. Und dann kommt Regina Wilden auf eine wirklich abenteuerliche These: Das alles sei die Schuld der DDR! „Die DDR hat hier eine wirklich perfekte subversive Arbeit geleistet. Die Kommunisten hatten nicht genug von ihrem eigenen Kommunismus. Sie wollen ihn jetzt auch noch in den Westen importieren!!“

Völlig unerwartet entpuppt sich Regina Wilden am Schluss des Gesprächs als Verehrerin des Entertainers Harald Schmidt. „Der ist ein ganz Rechter. Ich bin ein großer Schmidt-Fan.“ Pro Köln habe sogar die Ehrenbürgerschaft für Harald Schmidt in Köln beantragt.

Zu Beginn unserer Unterhaltung hatte ich Regina Wilden gesagt, dass sie mich nicht als Sympathisanten ihrer Partei betrachten könne. Das überraschte sie nicht. Sie vermutete schon, dass ich zur feindlichen Außenwelt gehörte. Dessen ungeachtet nahm sie mich mit auf einen Streifzug durch ihre mir fremd und manchmal abseitig erscheinende Denkwelt.

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