03.12.2007 | NGO

Reporter ohne Grenzen

Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) gibt es seit 1985. Ursprünglich von einer Hand voll Journalisten gegründet, setzten sich heute über 100 Korrespondenten und fünf Büros weltweit für Meinungs- und Pressefreiheit ein. ROG-Pressesprecherin Katrin Evers nahm gegenüber Cultura21 Stellung zum Selbstverständnis der Organisation, zur Gefahrenlage von Kriegsberichterstattern und zum Wandel der Organisation nach dem 11. September 2001. Ein Interview von Robert Piterek, Düsseldorf.

Cultura21: Wie schätzt Reporter ohne Grenzen die Gefahrenlage für Journalisten in Kriesengebieten heute ein?

Evers: Berichterstattung aus Krisen- und Kriegsgebieten war schon immer sehr gefährlich. Nach wie vor gilt: Kein Bericht ist ein Menschenleben wert!
In den vergangenen Jahren sind Journalistinnen und Journalisten allerdings im Irak, in Afghanistan und in Gaza zunehmend auch Entführungsopfer geworden – häufig gar nicht wegen ihres Berufs. Sie gehörten zur der kleinen Gruppe von Ausländern vor Ort. Den Entführern ging es um Lösegeld oder die Freilassung von Gefangenen.

Ist die Welt für Journalisten gefährlicher geworden?

Das lässt sich so allgemein nicht sagen. Die Zahl der Getöteten ist in den vergangenen Jahren wieder stark angestiegen – vor allem wegen des Irak-Krieges. Aber auch in Mexiko, den Philippinen, Pakistan, Somalia und Sri Lanka werden Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Berichte ermordet. Auch die tätlichen Übergriffe und Verhaftungen haben in den letzten Jahren zugenommen.

Wie steht Reporter ohne Grenzen zu den so genannten “embedded journalists“?

“Embedded journalists” sind aus unserer Sicht problematisch, weil Journalisten neutral und unbewaffnet sein sollten – was nicht gegeben ist, wenn sie “embedded” sind.

Was tut Reporter ohne Grenzen, um die Meinungsfreiheit und die Unversehrtheit der Journalisten in aller Welt zu schützen?

Wir schaffen Öffentlichkeit, richten unsere Aufmerksamkeit auf die Defizite in Meinungs- und Pressefreiheit und die Opfer, die kritische Berichterstattung mit sich bringt. Wir sorgen aber auch für politischen Druck und haben eine Charta für Journalisten in Krisen- und Kriegsgebieten ausgearbeitet, die etwa Redaktionen einen Leitfaden an die Hand gibt, um für die größtmögliche Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Mit einem Ratgeber, einer Versicherung und der Bereitstellung nützlicher Ausrüstungsgegenstände sorgen wir auch für Hilfestellung vor Ort.

Der 11.09.2001 hat den „Krieg gegen den Terror“ eingeläutet und zu zahlreichen neuen Kriesenherden weltweit geführt. Haben die Anschläge in den USA als Initialzündung auch die Strategie von Reporter ohne Grenzen beeinflusst?

Insofern als der „Kampf gegen den Terror“ auch die Lage der Medien in den so genannten „westlichen Demokratien“ beeinflusst: mehr Überwachung in Namen der Sicherheit, wie die Vorratsdatenspeicherung und die Telekommunikationsüberwachung in Deutschland. Da ist weiterhin Aufmerksamkeit gefragt.

Wer unterstützt Reporter ohne Grenzen, wer steht Ihnen skeptisch gegenüber?

Wir haben ein weltweites Netzwerk aus Partnerorganisationen und Unterstützern auf allen Ebenen und arbeiten mit vielen anderen Nichtregierungsorganisationen zusammen. Unserer Arbeit skeptisch gegenüber stehen diejenigen, die im Zentrum unserer Kritik stehen, etwa China, Kuba, Russland.

Frau Evers, wir danken Ihnen für das Gespräch

Robert Piterek, 03.12.2007

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