06.03.2010 | NS-Ordensburg Vogelsang

Die ehemalige Napola-Schule wird ein Umweltzentrum

Die NS-Ordensburg Vogelsang ist ein von den Nationalsozialisten errichteter Gebäudekomplex bei Gemünd in der Eifel. Sie diente der NSDAP zwischen 1936 und 1939 als Schulungsstätte für den Nachwuchs ihrer Führungskader. Dort soll nun das Informationszentrum des Nationalparks Eifel entstehen.

Von Franz-Georg Elpers (DBU), Osnabrück

In der ehemaligen NS-„Ordensburg“ soll das Informationszentrum des Nationalparks Eifel entstehen. Vorgesehen ist eine Ausstellung auf 2.000 Quadratmetern. Sie wird auf zwei Etagen im Ostflügel des Forums Vogelsang errichtet, wo sich derzeit die touristische Servicestelle befindet. Dafür stellt das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit zusätzlichen 850.000 Euro.

Am 1. März 2010 überreichte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde offiziell das Bewilligungsschreiben an das Nationalparkforstamt Eifel im Landesbetrieb Wald und Holz NRW. „Hier entsteht eine einmalige Begegnungsstätte, die den Erhalt der biologischen Vielfalt und gleichzeitig politisch-historische Fragen thematisiert“, so Brickwedde. Dabei hob der DBU-Generalsekretär hervor, dass die außergewöhnliche Verknüpfung zwischen der NS-Geschichte des Ortes und der Zukunft des Nationalparks völlig neue Bildungsansätze ermögliche.

NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg unterstrich die Bedeutung des
Informationszentrums: „Das Zentrum wird nicht nur ein wichtiges Aushängeschild für die Nationalparkregion sein. Die Ausstellung wird auch einen großen Beitrag zur Umweltbildung im Nationalpark und zur Entwicklung der internationalen Begegnungsstätte Vogelsang leisten.“

Parallel zur Sanierung des Forums Vogelsang möchte die Nationalparkverwaltung die Ausstellung innerhalb von drei Jahren fertig stellen. Als Ziel nannten die Beteiligten rund 100.000 Gäste pro Jahr allein in der Nationalparkausstellung.
Neben dem Informationszentrum des Nationalparks sind im Forum Vogelsang eine NS-Dokumentation und eine regionale Präsentation „SchauFenster Eifel-Ardennen“ geplant. Gemeinsam bilden sie das Bildungszentrum des internationalen Platzes „vogelsang ip“. „Die Ausstellung des Nationalparks einerseits und die Angebote zur politischen und kulturellen Bildung andererseits werden sich an diesem spannenden Ort gegenseitig ergänzen und den insgesamt rund 300.000 Besuchern Blickwechsel und neue Erfahrungen ermöglichen“, so Albert Moritz, Geschäftsführer der vogelsang ip gGmbH.

Informationen zur Ausstellung

Erste Inhalte und Pläne zur Ausstellung stellten Henning Walter, Leiter des Nationalparkforstamtes Eifel, und Kerstin Oerter, Leiterin des Fachgebiets Nationalparkzentrum, vor. Diese basieren auf einer Konzeptskizze des Büros „Stauffenegger & Stutz GmbH“ aus Basel, mit der das Büro im vergangenen Jahr einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Ausstellungsgestaltern gewonnen hat.
Grundlage der Inszenierungen ist eine intensive Wahrnehmung von Phänomenen der Natur über verschiedene Sinne. Tastend, riechend, hörend und sehend werden die Gäste in einer vermeintlich bekannten Umwelt Neues entdecken können. Eingebunden werden soll auch der Panoramablick auf den Urftsee und die angrenzenden Wälder. Zentrale Themen werden Wildnis, Vielfalt und der Nationalpark Eifel sein. Neben Wissensstationen steht das emotionale Erleben der Gäste im Vordergrund. Dabei wird der Blick auch auf andere Kontinente und Nationalparke gerichtet. Weltoffene Perspektiven sollen einen Beitrag zur zukunftsweisenden und kulturübergreifenden Neuprägung des Standortes Vogelsang leisten.

Die Ausstellung beinhaltet Aspekte der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, indem sie globales Denken und lokales Handeln fördern will. Sämtliche Informationen sollen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch angeboten werden. Die Belange von Menschen mit und ohne Behinderung werden von vornherein berücksichtigt. Das Besucher-Informationszentrum vollendet das Informationsnetzwerk zum Nationalpark Eifel. Bereits eröffnet wurden mehrere Infopunkte und fünf Nationalpark-Tore, die als Kombination aus touristischen Servicestellen und Ausstellungen jährlich insgesamt mehr als 200.000 Gäste anziehen.

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