19.04.2010 | Greenwashing

MAN hat eigentümliches Verständnis von Nachhaltigkeit (© MAN)

MAN hat eigentümliches Verständnis von Nachhaltigkeit

Eine Konzernstudie des Dachverbands der kritischen Aktionäre legt Widersprüche beim Lkw-Bauer offen. MAN ist ein weiteres Beispiel für die Tatsache, dass viele Unternehmen Nachhaltigkeit auf eine PR-Massnahme reduzieren.

Foto: © MAN / PIXELIO

Von Markus Dufner, Köln

In seiner am 30. März veröffentlichten Konzernstudie attestiert der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre dem DAX-Unternehmen MAN „ein eigentümliches Verständnis von Nachhaltigkeit“. Profitstreben hat Vorrang vor der Beachtung von Umwelt und Gesellschaft. „MAN verbiegt das Konzept Nachhaltigkeit und interpretiert es eigenwillig als langfristigen wirtschaftlichen Erfolg“, resümiert Gerd Hofielen, einer der Autoren der Studie. „Die geforderte Balance der drei Güter Umwelt, Gesellschaft, Profit, die die Grundlage der Nachhaltigkeit bilden, wird umgedeutet und es bleibt alles beim Alten.“

Es ist bemerkenswert, dass die Leitung eines weltweit tätigen Unternehmens des Mobilitätssektors erst im Jahre 2009 die Bedeutung von Nachhaltigkeit erkannt hat. Der aktuelle MAN-Nachhaltigkeitsbericht gibt Zeugnis von der verschlafenen Haltung des Lastwagen-Bauers beim Umgang mit diesem wichtigen Thema.

Die Analyse der Kritischen Aktionäre fördert zahlreiche Widersprüche bei dem Münchner Unternehmen zutage. So sind z.B. die direkten CO2-Emissionen von 152.000 Tonnen im Jahr 2007 auf 235.000 Tonnen im 2008 gestiegen. MAN erklärt dies mit einer Produktionssteigerung. Warum die Emissionen um 50 Prozent steigen, während der Umsatz nur um sieben Prozent zunimmt, verrät der MAN-Bericht nicht.

Ko-Autorin Antje Kleine-Wiskott kritisiert „eine nicht hinnehmbare Tatsachenunterdrückung“ im MAN-Lagebericht von 2008. Dort steht: „Der sonstige indirekte Energieverbrauch, der durch Reisen und Transporte sowie die Produktnutzung entsteht, wird nicht auf Konzernebene erfasst.“ In diesem beiläufigen Satz stelle MAN fest, dass die Umweltbelastungen der Produktnutzung, der Millionen Kilometer, die MAN-Lastwagen und -Schiffsmotoren zurücklegen, nicht der Beachtung wert seien.

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre und Aktionärinnen empfiehlt eine öko-orientierte Verbesserung der Produkte mit einer höheren Priorität als bisher und mit mehr Nachdruck auf Markteinführung. Außerdem könnte MAN mit der Produktion von robusten, einfach zu reparierenden LKW und Bussen für Entwicklungsländer punkten.

„MAN – ein eigentümliches Verständnis von Nachhaltigkeit. Eine Konzernstudie des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, März 2010“
steht hier zum Download zur Verfügung.

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