05.02.2013 | Ein Seminarbericht

Kreative Strategien zur Nachhaltigkeit?

Vom 10. bis 15. September fand das Engine Room Europe Seminar „Kreative Strategien zur Nachhaltigkeit“ in der ufa Fabrik in Berlin statt. Das internationale Forum für Kulturschaffende öffnete seine Türen für 19 TeilnehmerInnen aus über 15 europäischen Ländern und bot Raum für den intensiven Austausch zu den Themenfeldern Kultur und Nachhaltigkeit.

Foto: © twinlili / PIXELIO

Von Ines Gödecken

Die TeilnehmerInnen trafen sich vom 10. bis 15. September in Berlin um sich über Themen wie Strohballen-Hausbau, nachhaltiges Management kultureller Zentren, nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten von Projekten und vieles weitere mehr auszutauschen. Mit viel Sorgfalt und Herzensmotivation vom Organisatonsteam gestaltet, war die Woche geprägt von einem intensiven Mix aus Vorlesungen, Workshops und Ausstellungsbesuchen, sowie einer Fahrradtour zu Stätten in Berlin wie den Prinzessinnengärten, dem Tempelhofer Feld und dem MUMA, einem früheren Energiewerk in Berlin Mitte, dass heute zu einem kulturellen Zentrum umgewandelt wird.

Ein Inhalt der verschiedenen Vorlesungen war zum Beispiel Ökologie und Konstruktion. Es wurden Beispiele von Solar Energie und Heizsystemen gezeigt, die Vorteile von begrünten Dächern erläutert und ökologischen Materialien für den Hausbau vorgestellt. Darüber hinaus war zu dieser Vorlesung auch Jakob Bilabell von der Green Music Initiave eingeladen. Weitere Vorlesungen behandelten nachhaltige und kreative Finanzierungsarten, Kommunikation als Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung (so zum Beispiel die Einführung in die Future Workshop – Methode) sowie eine Vorlesung zu Eco-Art. Abgerundet wurde die inhaltliche Vielfalt der Woche durch einen Clowns-Workshop, angeboten von dem künstlerischen Leiter der ROTENASEN Deutschland, eine Organisation die Clowns an Krankenhäuser, Altenheime und soziale Brennpunkte weitervermittelt.

Als krönenden öffentlichen Abschluss gab es eine Fahrradkino-Vorstellung des Films „Waste Land“ (Regie: Lucy Walker). Hierzu wurden ca.12 Fahrräder präpariert und das Publikum eingeladen in die Pedale tretend den Strom für den Beamer im Kinosaal zu erzeugen. Belohnt wurden die FahrradfahrerInnen, die meist zwischen 5 und 15 Minuten radelten, durch ein Glas frisch gepressten Apfelsaft aus der Region. Das der Beamer zwischendurch zweimal ausfiel und nach ca. 30 Minuten Kino durch Spinning-Energie schließlich doch auf den (eigens produzierten) Solarstrom der Ufa Fabrik umgestellt wurde, tat der Veranstaltung keinen Abbruch sondern motivierte eher, eine derartige Veranstaltung zukünftig zu wiederholen und noch zu optimieren.
Die Ufa Fabrik, selbst vor vielen Jahren aus einer unabhängigen Initiative entstanden, schien der perfekte Ort für ein solches Seminar zu “Creative Strategies for sustainability” zu sein. Auf dem Gelände der ehemaligen Ufa-Kino Filmfabrik sind heute eine Bäckerei, Bioladen, Café, Gästehaus, eine Grundschule mit angegliedertem Kinderbauernhof und Obstbäumen, Musik- und Tanzübungsräume, eine Open-Air Bühne, sowie eine kleinere und eine größere Theaterbühne in den alten Kinosälen und Lagerräumen untergebracht. Ebenso hat auf dem Gelände ein soziokulturelles Zentrum ihren Platz, wo unter anderem ein Forum für junge Mütter angeboten wird. Auf dem Dach eines Gebäudes befindet sich eine Solarstromanlage, das Regenwasser wird gesammelt und durch ein System für den Nutzwasserverbrauch verwendet. Für mehr Informationen siehe www.ufafabrik.de. Das Gästehaus war auch die Unterkunft für fast alle TeilnehmerInnen des Seminars.

Als sehr spannend und wertvoll wurde der gemeinsame Austausch der TeilnehmerInnen über ihre Projekte wahrgenommen, der sich anfangs eher langsam und dann immer intensiver auftat. Aufgrund des sehr straffen Zeitplans der gesamten Woche war es teilweise schwierig aber umso wichtiger, sich immer wieder Raum für persönlichen Austausch zu schaffen. Dieser wurde dann auch durch die intensive Arbeit in Kleingruppen, die die Ausarbeitung projektspezifischer Action Plans zum Ziel hatte, zum Ende der Woche noch verstärkt und unterstützt.

Die Meinung der meisten eingeladenen TeilnehmerInnen des Engine Room Europe Seminars “Creative Strategies for sustainability” war, dass die unterschiedlichen Ebenen des zum einen akademischen Levels der Nachhaltigkeits-Diskussion, aber ebenso die „hands-on“ Dimension sehr wichtig für die Umsetzung nachhaltiger Strategien sind, und der Fokus auf eine konkrete Antwort auf die Frage „Was können wir tun?“ war Konsens.
Fazit der Woche war unter anderem, dass viel umsetzbar und möglich ist wenn man sich austauscht, sich gegenseitig unterstützt und immer wieder neu ermutigt. Ein Forum dieser Art zeigt, dass eine solche Veranstaltung einen wertvollen Raum bietet sich auszutauschen, Perspektiven zu erweitern und die Wahrnehmung für neue Möglichkeiten zu stärken.

Eine kleine Auswahl der spannenden Websites der TeilnehmerInnen soll hier auch genannt werden, da diese Menschen und ihre Projekte mindestens genau so spannend sind, wie das Programm in Berlin war:

http://life-tree1.blogspot.de
http://www.bakelitstudio.hu/
http://www.cooltourova.cz/en
http://www.ozu.it/
http://www.lutherieurbaine.com/
http://www.teh.net/

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