17.03.2010 | Kompetent für Demokratie

Die Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus stärken (© Thomas Max Müller - Pixelio)

Die Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus stärken

Gegen Rechtsextremismus ist die Vorbildfunktion von Lehrern oder Bürgermeistern sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft entscheidend. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Halle-Wittenberg.

Foto: © Thomas Max Müller / PIXELIO

Von Christian Bach, Halle

Im Projekt „Zivilgesellschaft stärken“ erarbeiten Wissenschaftler um den Pädagogen Thomas Olk von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) seit November 2008 „Handlungsempfehlungen gegen Rechtsextremismus im strukturschwachen ländlichen Raum“. Erste Zwischenergebnisse zeigen, wie wichtig die Vorbildfunktion von regional bekannten Akteuren, wohnortnahe Treffpunkte und Angebote für Jugendliche sind.

In dem Projekt wurden zunächst vier strukturschwache ländliche Regionen im Hinblick auf Lebensbedingungen, Angebote zivilgesellschaftlicher Akteure und rechtsextremistische Aktivitäten untersucht. Die Erwartungen der Forscher an die Zwischenergebnisse wurden bestätigt, meint der Leiter der Studie Thomas Olk: „Wir wussten, dass die Vorbildfunktion von Lehrern, Bürgermeistern oder anderen regional bekannten Persönlichkeiten eine wichtige Rolle spielt.“ Besonderer Bedarf bestehe jedoch bei Angeboten und Treffpunkten für Jugendliche vor Ort. „Die vorhandene Infrastruktur, bei Sportvereinen oder Jugendfeuerwehren, muss dringend aufrecht erhalten werden“, so der Erziehungswissenschaftler.

Am 12. März 2010 stellten die Forscher die Ergebnisse der qualitativen Fallstudie im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt vor und diskutierten diese mit den kommunalen Akteuren. Anschließend wurden, gemeinsam mit den Teilnehmern aus den Regionen, Handlungsempfehlungen entwickelt.

Die Empfehlungen sollen den „Multiplikatoren“, zum Beispiel Vereinen, Bildungseinrichtungen und Bürgermeistern, Lösungswege aufzeigen, auch für Fälle wie einen, der kürzlich bekannt geworden ist: Zwei Rechtsextreme hatten im Februar 2010 das Schloss Trebnitz bei Zeitz in Sachsen-Anhalt gekauft. „Die betroffenen Akteure finden in der Handreichung Fallbeispiele, nach denen sie vorgehen können, auch wenn es um einen Immobilienerwerb geht“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Stimpel.

Die Studie ist auf zwei Jahre angelegt und endet im Dezember dieses Jahres. „Wir gehen davon aus, dass wir die Handlungsempfehlungen zur Abschlussfachtagung am 24. September in Berlin vorlegen können“, sagt Thomas Olk. Die Studie wird vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) im Rahmen des Programms „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ gefördert. Die Handreichung wird als Broschüre gedruckt und verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen wie Kirchen, Schulen und Vereinen zur Verfügung gestellt.

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