04.10.2010 | Studie

Über den ökonomischen Nutzen der erneuerbaren Energien

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts analysiert die gesamtwirtschaftlichen Kosten- und Nutzenaspekten erneuerbarer Energien in Deutschland.

Foto: © Thorben Wengert / PIXELIO

Von Ulrike Glutsch, Karlsruhe

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das als Nachfolger des Stromeinspeisungsgesetzes 2000 in Kraft trat, soll die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen fördern . Ziel ist es, im Rahmen des Klima- und Umweltschutzes die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern und stattdessen erneuerbare Energien für die Wärme- und Stromerzeugung einzusetzen. Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert seit 2008 im Auftrag des BMU und die Umsetzung erstellt erstmalig eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Zusammenfassung aller Effekte im Sinne einer Kosten-Nutzen Betrachtung.

Die Analyse des Fraunhofer ISI umfasst nicht nur den bislang meist im Fokus stehenden Strombereich, sondern untersucht auch die Auswirkungen auf die erneuerbare Wärmebereitstellung. Dafür wurden drei Kategorien
definiert:

1. Die systemanalytischen Kosten- und Nutzenaspekte stellen die direkten und indirekten Systemkosten sowie den Nutzen des Ausbaus erneuerbarer Energien dar.
2. Die Verteilungsaspekte zeigen auf, welche Wirtschaftsakteure oder Gruppen durch die Förderung des EE-Ausbaus belastet oder entlastet werden.
3. Die makroökonomischen Auswirkungen beschäftigen sich mit den nationalen oder sektoralen Wachstumseffekten, zum Beispiel Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt sowie die Beschäftigung.

Fazit ist: Für die Förderung der erneuerbaren Energien fielen rund 7,5 Milliarden Euro 2009 für die systemanalytischen Kosten wie etwa Erzeugungsmehrkosten, Ausgleichsenergie und Netzausbau an. „Doch dem steht ein Nutzen allein durch vermiedene Umweltschäden von 7,8 Milliarden Euro gegenüber“, erläutert Dr. Barbara Breitschopf , Projektleiterin am Fraunhofer ISI. Im Hinblick auf die Kostenverteilung ergibt sich ein differenziertes Bild: Hier fließen rund 4,6 Milliarden Euro als Einspeisevergütung von den Stromkunden an die Anlagenbetreiber.
Stromkunden oder -lieferanten sparen bis zu vier Milliarden Euro dadurch, dass der Preis auf dem Großhandelsmarkt sinkt, wenn erneuerbare Energien konventionelle Kraftwerke verdrängen, weil die Zahl der Anbieter steigt, die Nachfrage aber nicht. Dem können reduzierte Gewinne bei konventionellen Stromerzeugern gegenüber stehen. In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten „Merit-Order-Effekt“. Den etwa 791 Millionen Euro an Fördermitteln des Bundes an die Anlagenbetreiber und -entwickler stehen Einnahmen aus der Besteuerung von EE-Strom gegenüber, die deutlich über den Ausgaben liegen. Stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie Schienenbahnen sind von hohen Stromkosten besonders betroffen. Durch eine besondere Ausgleichsregelung im EEG erfolgt eine Senkung der Stromkosten dieser Unternehmen, um deren internationale und intermodale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die Regelung bringt für sie Entlastungen von rund 700 Millionen Euro, finanziert von den übrigen Stromverbrauchern.

Die makroökonomischen Größen verdeutlichen die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des gesamten EE-Ausbaus. Zur Entwicklung von Umsatz und Beschäftigung durch EE liegen wissenschaftlich fundierte Brutto-Angaben vor, denen allerdings auch negative Effekte gegenüberstehen können.
Bereits durchgeführte Untersuchung zeigten für Deutschland in allen realistisch erscheinenden Szenarien eindeutig positive Netto- Arbeitsplatzwirkungen.

Darüber hinaus sind mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien schließlich noch eine ganze Reihe weiterer Wirkungen verbunden, die nicht eindeutig einer der drei genannten Hauptkategorien zuzurechnen sind. Hierzu zählen mögliche Auswirkungen des EE-Ausbaus auf Innovationsintensität und -anreize im Bereich der EE-Technologien, Spill-over-Effekte im Bereich der Technik und Politik, Auswirkungen auf Umweltbewusstsein, die Veränderung gesellschaftlich normativer Vorstellungen mit Blick auf den Klimaschutz sowie Vorteile der EE für die innere und äußere Sicherheit. Eine vertiefte Diskussion dieser Effekte könnte die Nutzenwirkungen des EE-Ausbaus auf eine breitere Basis stellen. „Die Gesamtschau der skizzierten Wirkungen wird künftig ökonomische Aussagen zur Wirkung Erneuerbarer Energien besser fundieren. Angesichts der gezeigten offenen Fragen ist jedoch für eine abschließende, gesamtwirtschaftliche Kosten- und Nutzenbilanz des Ausbaus Erneuerbarer Energien weitere Forschung nötig.“, so Barbara Breitschopf.

Im weiteren Verlauf des Vorhabens werden in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie dem Institut für ZukunftsenergieSysteme (IZES) auch aktuelle und zukünftige Wirkungen für die Jahre 2020 und 2030 dargestellt. Denn nur eine langfristige Betrachtung, die zukünftige Effekte mit berücksichtigt, kann ein umfassendes Gesamtbild aufzeigen.

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