03.03.2010 | Studie

Geisteswissenschaften made in Germany

Geisteswissenschaften in Deutschland werden international hoch geschätzt, obwohl sich die deutsche Sprache oft als "Exporthindernis" erweist und Lehrstühle vor allem in den kleinen Fächern gestrichen werden.

Von Petra Richter, Köln

Geisteswissenschaften in Deutschland werden international hoch geschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Internationale Positionierung der Geisteswissenschaften in Deutschland“. Die Studie wurde am 25. Februar auf der Fachkonferenz „Geist kennt keine Grenzen. Wie international sind die Geisteswissenschaften in Deutschland?“ in Bonn vorgestellt. Für die von der Hochschul- Informations-System GmbH (HIS, Hannover) durchgeführte und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Studie wurden 1.250 Geisteswissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, Australien, Japan und den USA befragt.

„Die Forschungsqualität gilt als methodisch hervorragend, oft setzt Deutschland den weltweiten Standard für ein Fach“, berichtet Karl-Heinz Minks von HIS, Projektleiter der Studie. „Die ausdifferenzierte Forschungslandschaft sowie die Existenz und Exzellenz der „kleinen Fächer“ bilden einen international geschätzten Reichtum an denkerischer Vielfalt“.

Geisteswissenschaftler aus dem Ausland betonen die hervorragende Bibliotheks-, Archiv- und Museumslandschaft. Das umfangreiche Quellenmaterial veranlasst sie immer wieder zu Forschungsreisen nach Deutschland. Zahlreiche hochkarätige Tagungen und Kongresse sehen sie als weitere Magneten. Besonders positiv beurteilen sie die deutschen Programme zur Auslandsmobilität (z.B. DAAD, Humboldt-Stiftung). Die hohe Dichte an Forschungsinstituten und einen kollegialen, hilfsbereiten Umgang in der deutschen Scientific Community heben vor allem australische und US-amerikanische Befragte hervor.

Für die allermeisten Interviewten ist eine internationale Orientierung selbstverständlich. Deutsche Geisteswissenschaftler haben die meisten forschungsbezogenen Kontakte in die USA (43 Prozent), nach Großbritannien (30 Prozent) und Frankreich (23 Prozent). Es folgen Österreich (20 Prozent), die Schweiz und Italien (jeweils 16 Prozent). Geisteswissenschaftliche Forschung ist im In- und Ausland hochgradig individualisiert und zugleich von informellen Forschungsnetzwerken bestimmt. Gerade zu Beginn einer Karriere sind internationale Tagungen wichtig, um Kontakte zu knüpfen und die eigene Forschung zu präsentieren.

Die deutsche Sprache erweist sich oft als „Exporthindernis“, als Wissenschaftssprache ist sie nur noch in wenigen Disziplinen der Geisteswissenschaften international anerkannt. Ausschließlich in deutscher Sprache verfasste Publikationen finden wenig Eingang in den internationalen wissenschaftlichen Diskurs. Deutsche Fachpublikationen werden insbesondere vom Ausland häufig als „sehr wissenschaftlich“ und für interessierte Laien sprachlich zu schwierig erachtet. Von den befragten Geisteswissenschaftler aus Australien, Großbritannien und den USA lesen 69 Prozent französische, 59 Prozent deutsche, aber nur 21 Prozent italienische, 17 Prozent spanische und 12 Prozent niederländische Veröffentlichungen.

Bedenklich erscheint deutschen wie ausländischen Geisteswissenschaftler die Streichung von Lehrstühlen und Mittelbaustellen vor allem in den kleinen Fächern, die traditionell ein international hervorstechendes Profil besitzen. In dieselbe Richtung zielen Sorgen über die Bedingungen der Nachwuchsförderung in Deutschland, die im Vergleich zu angloamerikanischen Ländern als wenig konkurrenzfähig betrachtet wird.

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