24.08.2012 | Regulierung der Finanzmärkte

DAX-Bosse auf Attac-Kurs

Mit Bernd Scheifele fordert erneut der Chef eines Großkonzerns die Zerschlagung der Banken.

Für einen Manager ist es ein Tabubruch. Dennoch sieht Bernd Scheifele die Zeit für eine Systemänderung gekommen. Längst fordern Attac oder auch die SPD eine Zerschlagung der Banken. Doch nun werden die Geldinstitute auch den Bossen zu stark. „Das normale Bankgeschäft und das Investmentbanking sollten nicht gemeinsam betrieben werden“, sagt Scheifele. „Wir brauchen ein Trennbankensystem, wie es früher in den USA existierte“, sagte der Chef eines der weltgrößten Baustoffkonzerne der Süddeutschen Zeitung.

Erst im Juli forderte der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, Tabula rasa im Bankensystem. Alle eint die Vorstellung, dass das riskante Investmentbanking Ursache der Finanzkrise ist. Im angelsächsischen Raum tobt die Debatte längst. In den USA war nach der Wirtschaftskrise 1933 ein Trennbankensystem eingeführt worden, Geschäftsbanken wurde Spekulation untersagt. Diese Trennung wurde im Börsenboomjahr 1999 wieder aufgehoben. Als „Lehre“ aus der Finanzkrise rund um die Lehman-Pleite ab 2008 wurden Investmentbanken verpflichtet, auch als Geschäftsbanken zu agieren, um Krisen im Investmentbanking auffangen zu können. Großbritannien verschärft gerade die Regeln wieder: Hier müssen die Banken ihr Privatkundengeschäft künftig von spekulativen Geschäften abschirmen. Doch sind getrennte Banken sicherer als Universalbanken? Einige Experten bezweifeln das: Sie halten Geldhäuser gerade wegen ihrer breiten Aufstellung für stabil. Fest steht: Ohne das Privatkundengeschäft wären große Universalbanken wie die Deutsche Bank oder JP Morgan längst nicht so gut durch die Krise gekommen. Scheifeles Forderung hat Geschichte. Sein Konzern wollte 2007 für 14 Milliarden Euro einen britischen Konkurrenten schlucken – auf Pump. 40 Banken machten bei dem Deal mit. Und drückten HeidelbergCement fast an die Wand, als die Aufträge im Krisenjahr 2008 auch die Baubranche erfasste.

Die Zockerei der Investmentbanker habe ihn damals in Bedrängnis gebracht, sagt Scheifele: „Wir brauchen keine Derivate, Futures und andere abgeleiteten Finanzprodukte, die über eine wirtschaftlich sinnvolle Absicherung von Risiken der Geschäftstätigkeit hinaus auf Agarprodukte, Immobilien oder Ähnliches wetten.“

Immerhin: Selbst Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schließt einen harten Bankenschnitt nicht mehr aus. Wenn sich Europa einig sei, „wird Deutschland sich nicht sperren“.

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