27.02.2010 | Landwirtschaft

Gen-Pflanzen in Europa auf dem Rückzug (© Angelina Ströbel - Pixelio)

Gen-Pflanzen in Europa auf dem Rückzug

Die Anbaufläche für Gen-Mais in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr um rund 10 Prozent zurückgegangen. Trotz massivster Bemühungen der Gentechnik-Industrie sind weltweit über 90 Prozent der Ackerflächen gentechnikfrei und 99 Prozent aller Bauern arbeiten ohne Gentechnik.

Foto: © Angelina Ströbel / PIXELIO

Von Sigrid Totz (Greenpeace), Hamburg

Greenpeace beanstandet den am 23. Februar 2010 von der Gentechnik-Organisation ISAAA vorgelegten Jahresbericht 2009 zum Anbau der Agro-Gentechnik als irrefuehrend. Nach Angaben des International Service for the Acquisition of Agri-biotech Application (ISAAA) dehnte sich die Gruene Gentechnik im Jahr 2009 weltweit aus. Nach Einschätzung von Greenpeace stagnieren jedoch Entwicklung und Anbau von Gen-Pflanzen seit ihrer Einfuehrung vor 14 Jahren. Die Anbaufläche für Gen-Mais in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr sogar um rund 10 Prozent zurückgegangen. Die ISAAA wird unter anderen von den Agrar-Konzernen Bayer, Monsanto, Syngenta, Pioneer und Dupont finanziert. „In jedem Jahresbericht behauptet die ISAAA, Gen-Pflanzen wuerden weltweit boomen“, sagt Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter von Greenpeace.
„Doch trotz massivster Bemühungen der Gentechnik-Industrie sind weltweit über 90 Prozent der Ackerflächen gentechnikfrei, 99 Prozent aller Bauern arbeiten ohne Gentechnik. Von einer florierenden Gruenen Gentechnik kann nicht die Rede sein.“

85 Prozent der Gen-Pflanzen werden in nur vier Ländern angebaut

Die meisten Gen-Äcker liegen in nur vier Ländern, den USA, Argentinien, Brasilien und Kanada. Lediglich in Brasilien gibt es einen nennenswerten Zuwachs an Gen-Pflanzen. Nach juengsten Zahlen des EU-Parlamentes haben europäische Landwirte im Jahr 2009 11 Prozent weniger Gen-Pflanzen angebaut als im Vorjahr. Deutschland und Luxemburg hatten 2009 den Gen-Mais-Anbau wegen oekologischer Risiken verboten.

In Spanien, Tschechien, der Slowakei und Rumänien ist der Anbau auf dem Rückzug, da höhere Saatgut-Preise, ein unsicherer Absatz der Ernte und Probleme bei der Trennung von konventionellen Pflanzen und Gen-Pflanzen den Anbau unattraktiv machen. Auch in Ländern ausserhalb Europas werden Anbauverbote ausgesprochen. In Indien wurde gerade erst der Anbau von genmanipulierten Auberginen gestoppt.

Agro-Gentechnik bringt keine Vorteile für den Verbraucher

„Im Gegensatz zu den Behauptungen der Industrie scheitert der Anbau von Gen-Pflanzen in immer mehr Ländern“, sagt Hofstetter. „Es sind fast ausschliesslich von den Agrarkonzernen geköderte Grossbetriebe, die Gen-Pflanzen für ihre Monokulturen bevorzugen. Umweltrisiken werden bei diesen Deals billigend in Kauf genommen.“
Im Widerspruch zum Jahresbericht des ISAAA steht auch, dass Landwirte bis heute keine höheren Erträge mit Gen-Pflanzen erzielen können.
Untersuchungen zeigen stattdessen, dass Anwender immer stärkere Pestizide auf Gen-Äckern einsetzen. Auch Vorteile fuer Verbraucher sind bis heute nicht sichtbar. Der globale Anbau und Vertrieb von Gen-Pflanzen beeinflusst zunehmend eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung. So wurden 2009 in Deutschland Broetchen, Muesli und Backmischungen durch illegal aus Kanada importierte Gen-Leinsaaten kontaminiert.

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