30. Oktober 2009 | Vereine

Brücken der Integration

von Peter Lonitz. Schader-Stiftung


Vereine sind institutionalisierter Ausdruck einer aktiven demokratischen Zivilgesellschaft und leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration von Zuwanderern. Das ist das Ergebnis einer Tagung von Forschern und Vertretern aus Städten und Landkreisen in Meschede.

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Unabhängig davon, ob es sich um Sportvereine, Feuerwehren, Freundschaftsvereine oder rein eigenethnische Verbindungen handelt, bieten sie eine wichtige Brückenfunktion zwischen Migranten und Deutschen.

Das ist eines der Ergebnisse des ersten Netzwerktreffens im Forschungs-Praxis-Projekt „Zuwanderer in kleinen Städten und Landkreisen“. Im Rahmen des Netzwerktreffens am 28. und 29. Oktober 2009 in Meschede diskutierten Forscher mit Vertretern aus Städten und Landkreisen, welche Faktoren Integration im ländlichen Raum fördern.
Das Forschungsprojekt wird von der Schader-Stiftung in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und dem Deutschen Landkreistag durchgeführt.

Bereits in seinem Grußwort charakterisierte Karl Schneider, der Landrat des Hochsauerlandkreises, die Chancen für Integration im ländlichen Raum als „überdurchschnittlich gut“. „Intakte Nachbarschaften, aktive Vereine und Kirchengemeinden sowie eine gute regionale Entwicklung bilden besonders förderliche Strukturen, in denen Integration gelingen kann“, sagte er und ergänzte, nachhaltige Integrationsarbeit sei das Fundament für ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben.

Sabine Süß, Geschäftsführender Vorstand der Schader-Stiftung, untermauerte die Bedeutung von Integration nicht nur im ländlichen Raum durch ein Zitat aus dem neuen Koalitionsvertrag. Darin verpflichtet sich die Bundesregierung, mit dem Programm „Integration durch Sport“ besonders Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund anzusprechen, um sie als Teilnehmerinnen und Übungsleiterinnen zu gewinnen.

Weiter heißt es: „Wir wollen die Teilnahme zugewanderter Frauen und Mädchen aus allen Kulturkreisen am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben fördern. Dafür brauchen wir eine Bildungs- und Ausbildungsoffensive für Migrantinnen. Auch auf die Aufklärung über Menschenrechte, Bürgerrechte und Sozialrechte und auf die Sensibilisierung für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern muss großes Augenmerk gelegt werden.“ Süß kommentierte: „Das bestärkt uns in unserem Vorhaben. Wir haben mit unserem Forschungs-Praxis-Projekt ein wichtiges Thema aufgegriffen, dessen Erkenntnisse für viele Regionen aufschlussreich sein werden“.

Professor Dieter Jütting von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zählt Turn- und Sportvereine zu den so genannten Schelling- Punkten, d.h. Orten mit so großer Anziehungskraft, dass sich Personen ohne weitere Absprache automatisch dort einfinden, um miteinander zu kommunizieren. Zwar verstünden nicht alle Migranten, dass deutsche Vereine auf Freiwilligkeit und Unabhängigkeit gründeten, was zu Missverständnissen führen könne. Dennoch seien gerade Sportvereine mit ihrer leichten Zugänglichkeit von zentraler Bedeutung für gelingende Integration.

Eine Besonderheit stellen Vereine und Migrantenselbstorganisationen
(MSO) dar, die von und für Frauen gegründet werden. Dr. Patricia Latorre Pallares, Leiterin des Interkulturellen Büros Darmstadt, erläuterte, dass diese Vereine ein großes soziales Kapital darstellen, weil sie ein enormes Mobilisierungspotenzial besäßen und auch die erreichten, die nicht in anderen Vereinen aktiv sind. Damit trügen sie entscheidend zur Partizipation bei. „Selbstorganisationen sind aufgrund ihres hohen Motivationspotenzials und ihrer Brückenfunktion ideale Partner und leisten einen wichtigen Beitrag im Integrationsprozess“, schloss sie.

Dass Vereinen eine zentrale Bedeutung bei der gesellschaftlichen Integration im ländlichen Raum zukommt, bestätigen auch die Untersuchungsergebnisse des ersten Zwischenberichts von ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS). Die beiden Institute untersuchen im Forschungs-Praxis-Projekt die Integrationsbedingungen in den beteiligten Kommunen und Landkreisen und forschen nach Integrationspotenzialen.

In der gemeinsamen Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass eine stärke Qualifikation im Bereich interkulturelle Kompetenz für die ehrenamtlichen Führungskräfte hilfreich wäre. Politische Rückendeckung und feste Ansprechpartner, zum Beispiel in einem Tandem-Gefüge aus deutschen und Migrantenvereinen, seien weitere unterstützende Faktoren.

Mit dem über drei Jahre laufenden Projekt (2009-2011) wird zum ersten Mal die Situation von Migrantinnen und Migranten in den kleineren Städten der ländlich geprägten Räume bundesweit vergleichend untersucht.

© Schader-Stiftung, 05.11.2009



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