04.04.2011 | Vom Wert der Gemeingüter

Wem gehört das Wasser, wem gehören unsere Gene?

“Ich bin dagegen, bei jedem Problem die Lösung ausschließlich beim Markt oder beim Staat zu suchen. Es gibt auch noch andere Wege,” sagt die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom.

Foto: © Günter Havlena / PIXELIO

Von Anja Volkmer, München

Die Meere werden leer gefischt, Trinkwasser wird privatisiert und profitorientiert verkauft, der Handel mit Emissionszertifikaten boomt. Doch wem gehören Luft, Wasser, Gene oder Wissen? Sie alle zählen zu den für selbstverständlich gehaltenen Voraussetzungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens und sollten damit allen Menschen gehören. Doch Gemeingüter laden zur Übernutzung ein und wecken die wirtschaftlichen Interessen von Konzernen. Die Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom beschäftigt sich seit vier Jahrzehnten mit dem Problem gemeinschaftlich genutzter, aber knapper Ressourcen.

Am 7. April 2011 erscheint ihr neues Buch “Was mehr wird, wenn wir teilen” im oekom verlag, herausgegeben von der deutschen Commons-Expertin Silke Helfrich. Darin geht sie dieser Entwicklung an drei Beispielen – Wälder, Meere und Atmosphäre – nach und erklärt anschaulich und verständlich die Grundthesen ihrer jahrzehntelangen weltweiten Forschung.

Als sie im November 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, war dies eine Sensation. Zum einen wurde mit Elinor Ostrom erstmals eine Frau mit der renommierten Auszeichnung gewürdigt, zum anderen will ihr Forschungsgebiet so gar nicht in eine Welt der ungehemmten Übernutzung und Kommerzialisierung passen. Die amerikanische Politikprofessorin gilt als intenational bedeutendste Commons-Forscherin und beschäftigt sich damit, wie sich knappe Ressourcen gerecht und zum Wohle aller verteilen lassen. Was zunächst abstrakt klingt, betrifft uns tagtäglich, denn Gemeingüter stellen die Grundlage unserer gesellschaftlichen und physischen Existenz dar. Dennoch wird ihr Wert oft gering geschätzt oder sie gehen der Gesellschaft durch Privatisierung verloren.

In “Was mehr wird, wenn wir teilen” zeigt die renommierte Umweltökonomin anhand zahlreicher praktischer Beispiele, wie es gelingen kann, dass Gemeinschaften wieder Verantwortung für “ihre” Ressourcen übernehmen und sie miteinander nutzen, ohne sie zu zerstören. Für Elinor Ostrom liegt der Schlüssel dabei in der Selbstverwaltung, denn Markt und Staat können nicht für alles zuständig sein. Die Menschen vor Ort müssen wieder an der Lösung ihrer ureigenen Probleme beteiligt werden und lernen, miteinander zu kooperieren. “Was mehr wird, wenn wir teilen” macht mit der Ideenwelt Elinor Ostroms und der Welt der immer noch unterschätzten Gemeingüter vertraut. Das Buch liefert hoffnungsvolle Ansätze zur Lösung unserer drängendsten Zukunftsprobleme und zeigt Wege auf, wie wir unser gemeinsames Erbe für nachfolgende Generationen erhalten können.

„Wem würden nicht Begriffe wie Kommunikation, Vertrauen, Kooperation und Vielfalt in den Sinn kommen, wenn die Frage nach den Grundlagen einer guten Lebensqualität im Raum steht? Um diese Themen dreht sich die Allmende, die so alt ist wie die Menschheit und so modern wie das Internet.“ (Silke Helfrich im Vorwort)

Die Autorin Elinor Ostrom ist Professorin für Politikwissenschaft an der Indiana University in Bloomington. 2009 erhielt sie als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis. Sie setzt sich mit Problemen kollektiven Handelns bei gemeinschaftlich genutzten, jedoch knappen natürlichen Ressourcen auseinander und gilt international als bedeutendste Commons-Forscherin.

Die Herausgeberin Silke Helfrich gilt als die Expertin zum Thema Gemeingüter in Deutschland und betreibt den Blog www.commonsblog.de . Im oekom verlag erschien 2009 das von ihr herausgegebene Buch „Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter“.

Das Buch

Elinor Ostrom
Was mehr wird, wenn wir teilen
Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter
Herausgegeben, bearbeitet und übersetzt von Silke Helfrich
oekom verlag, München
April 2011, 112 Seiten, 14,95 EUR
ISBN: 978-3-86581-251-3

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