02.07.2011 | Studie

Klimawandel als mediales Phänomen

Ohne Massenmedien gäbe es den globalen Klimawandel nicht, zumindest aus der Perspektive der Wahrnehmung. Umso bedeutender ist die Rolle der Berichterstattung bei der Förderung eines breiten Umweltbewusstseins. Die Information ist eine wichtige, aber keine ausreichende Voraussetzung für einen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit. Ein Beispiel: Die USA bleiben Klimasünder, obwohl die Berichterstattung über den Klimawandel dort seit Jahren stark zunimmt.

Von Birgit Kruse, Hamburg

Die Zahl der Presseartikel zum Thema „Klimawandel“ hat sich seit 1996 weltweit auf das vier- bis achtfache erhöht. Wie eine Studie des KlimaCampus der Universität Hamburg jetzt zeigt, hat sich das Medieninteresse europäischer und nordamerikanischer Länder dabei besonders ähnlich entwickelt. Andere Staaten aus Asien, Afrika, Südamerika oder Arabien weisen kaum länderübergreifende Übereinstimmungen auf.

Die Präsenz des Themas Klimawandel stieg in den vergangenen 15 Jahren in allen 23 untersuchten Ländern um den Faktor vier bis acht an. Dies zeigen Ergebnisse von Mike S. Schäfer, Ana Ivanova und Andreas Schmidt, Kommunikationswissenschaftler vom KlimaCampus der Universität Hamburg. Für die in der Fachzeitschrift „Studies in Communication/Media“ veröffentlichte Arbeit wurden mehr als 80.000 Zeitungsartikel analysiert. „Das Thema gewinnt in allen Ländern stark an Bedeutung – doch manche Länder sind sich ähnlicher“, so Schäfers Fazit.

Erstmals untersuchten die Forscher dabei einen Mix von Ländern aus allen Kontinenten, der auch viele nicht-englischsprachige Medien umfasste. Bewusst wurden sowohl „Verursacher“ des Klimawandels wie die USA, Australien oder Frankreich, als auch potenziell eher „betroffene“ Länder wie Namibia, Indonesien oder Mexiko mit einbezogen. Vergleichbare Arbeiten beschränkten sich bisher vor allem auf die westliche und englischsprachige Presse.

Das Team wertete für die Studie Zeitungsartikel von 1996 bis 2010 aus. Für jedes Land wählten die Forscher ein nationales Leitmedium, das täglich und überregional erscheint und spezielle Qualitätsstandards erfüllt. Ermittelt wurde, wie viel Prozent aller veröffentlichten Artikel sich jeweils auf das Thema Klimawandel bezogen.

Ergebnis: Besonders in europäischen und nordamerikanischen Ländern sind ähnliche Aufmerksamkeitsmuster zu finden. „Ereignisse der internationalen Klimapolitik scheinen hier die Taktgeber zu sein“, sagt Schäfer. Die Medien orientieren sich offenbar eher an gesellschaftlichen Anlässen wie Klimakonferenzen oder den Sachstandsberichten des Weltklimarats IPCC.

Anders der Rest der Welt: Betrachtet man die Presse global, zeigen sich weit geringere Übereinstimmungen. In Teilgruppen wie der asiatischen Öffentlichkeit mit Brunei, Indonesien, Thailand, Malaysia, Singapur, China, Indien, Jemen und Jordanien fanden die Forscher kaum Ähnlichkeiten.
Selbst dicht beieinander liegende Staaten mit ökonomisch ähnlicher Entwicklung für sich genommen, wie die Tigerstaaten in Fernost, weisen keine ausgeprägten Korrelationen auf.

Die Medien dieser Staaten agieren demnach individueller und orientieren sich weniger an ihren Nachbarn oder an vermeintlich globalen Klimaanlässen. Das Interesse scheint eher von nationalen oder regionalen Auswirkungen des Klimawandels geprägt zu sein, von denen viele Entwicklungs- und Schwellenländer besonders stark betroffen sind. Den Gründen für solche länderspezifischen Aufmerksamkeitsmuster sind Schäfer und seine Kollegen in einer nächsten Forschungsarbeit auf der Spur.

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